{"id":1039,"date":"2012-02-08T23:51:22","date_gmt":"2012-02-08T22:51:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=1039"},"modified":"2015-02-18T14:01:43","modified_gmt":"2015-02-18T13:01:43","slug":"die-prosa-der-ereignisse-im-ard-hauptstadtstudio-eroffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=1039","title":{"rendered":"&#8222;Die Prosa der Ereignisse&#8220; im ARD-Hauptstadtstudio er\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<p>Am 7. Februar 2012 wurde die Ausstellung <strong>&#8222;Die Prosa der Ereignisse&#8220; <\/strong>im <strong>ARD-Hauptstadtstudio <\/strong>in Berlin vor zahlreichen G\u00e4sten er\u00f6ffnet. <strong>Jens Kloppmann <\/strong>pr\u00e4sentiert einen Querschnitt durch sein Schaffen in den vergangenen Jahren, bis hin zu eigens f\u00fcr die Ausstellung erstellten Videoinstallationen. Seine Arbeiten kreisen um die Themen kollektive und individuelle Erinnerung, Geschichte und unseren Umgang damit.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholder<!--more--><\/p>\n<p>Nach einer Begr\u00fc\u00dfung durch <strong>Eva Woyte <\/strong>vom ARD-Hauptstadtstudio stellte Kurator <strong>Martin Bayer <\/strong>(wartist) die einzelnen Arbeiten vor: Im Erdgeschoss ist ein unbekannter deutscher General in einem <strong>&#8222;Leuchtkasten&#8220;<\/strong> zu sehen, seine Augen richten sich nach hinten. Was sieht sein abgekl\u00e4rter Blick in diesem Moment? Ein jeder macht sich beim Betrachten eigene Gedanken: ist er ein Nazi, ein Kriegsverbrecher? Genauso gut k\u00f6nnte das Foto auch ein Filmstill sein &#8211; aus all jenen Filmen \u00fcber Krieg, die nicht m\u00fcde werden, uns eine &#8222;wahre Geschichte&#8220; zu erz\u00e4hlen. Doch was ist Wahrheit, was ist Geschichte, ja, was ist <em>eine <\/em>Geschichte?<\/p>\n<p>Auf derselben Seite, auch in einem Leuchtkasten, befindet sich die Arbeit <strong>&#8222;Luftkampf&#8220;<\/strong>. Ironisch gebrochen sind die Schatten von Kampfflugzeugen auf einem farbenfrohen Handtuch zu sehen, das doch wie die Luftaufnahme von Feldern anmutet. Die individuellen Erinnerungsmuster ordnen auch hier zu.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber befindet sich Arbeiten aus der Serie <strong>&#8222;Bullet Holes&#8220;<\/strong>: Zun\u00e4chst wirken sie wie abstrakte, serielle Werke. Doch die L\u00f6cher sind Gipsabg\u00fcsse von den Kriegsspuren an Berliner H\u00e4userfassaden. Einst geh\u00f6rten diese von Patronen und Bomben- wie Granatsplittern erzeugten Narben zum Alltagsbild der Stadt; nun verschwinden sie, werden renoviert, wegretuschiert. Die Vertiefungen befinden sich in glattgeschliffenen Platten: kein Unterschied in Mauerwerk und Putz verweist auf die Herkunft: ob es sich um Fabrikhallen, Mietskasernen oder eine Stadtvilla handelte &#8211; die Zerst\u00f6rungen des Krieges betreffen alle gleich.<\/p>\n<p>Gleichsam retuschiert wurde einst Leo Trotzki: unter Stalin in Ungnade gefallen wurde sein Abbild aus offiziellen Fotos entfernt, er selbst schlie\u00dflich ermordet. Manchmal sind auf den retuschierten Fotos Reste zu sehen: ein Paar Schuhe wurden vergessen &#8211; oder erinnern sie gar aus Absicht belassen, um an den Getilgten zu erinnern? Jens Kloppmann jedenfalls retuschiert Trotzki in andere Fotos hinein und schafft ihm somit in der Serie <strong>&#8222;Im fotografischen Exil &#8211; Rache f\u00fcr Trotzki&#8220;<\/strong> ein bildnerisches Asyl, sei es beim Kniefall von Willy Brandt in Warschau, beim Gipfeltreffen zwischen Gorbatschow und Reagan oder zur Freilassung von Nelson Mandela.<\/p>\n<p>Jene letzte Situation findet sich auch in der Serie neuer <strong>Videoloops<\/strong>, die auf jene Momente der Geschichte verweisen, in denen Ereignisse auf die Zukunft hinwiesen, letztere aber noch ungewiss ist: Ruhollah Chomeini kehrt aus dem Exil nach Teheran zur\u00fcck; Boris Jelzin verk\u00fcndet das Ende der Sowjetunion; George W. Bush l\u00e4uft am Abend des 11. Septembers 2001 auf seinen Dienstsitz zu: nun muss er, m\u00fcssen die USA handeln&#8230;<\/p>\n<p>Zwei Schilder verweisen auf die Installation <strong>&#8222;Bonn ist nicht Weimar&#8220;<\/strong>: der K\u00fcnstler tauschte die Ortseingangsschilder jener beider ehemaligen Hauptst\u00e4dte aus, die f\u00fcr eine bestimmte Politik standen und \u00fcber Jahrzehnte immer wieder miteinander verglichen wurden. So fuhr man einst durch die sch\u00f6ne th\u00fcringische Landschaft und erreichte Bonn &#8211; nicht.<\/p>\n<p>Die Serie<strong> &#8222;Diktatoren mit Tieren&#8220; <\/strong>schlie\u00dflich versammelt 48 Diktatoren, viele gest\u00fcrzt, manche noch in Amt und ohne W\u00fcrden. Der Neigung vieler Despoten, sich zusammen mit Tieren abzubilden, ging der K\u00fcnstler nach. Doch sind es hier keine Symbole der Macht oder der Schl\u00e4ue, sondern Tiere, die viel mehr \u00fcber den Charakter des Portraitierten aussagen: Baschar al-Assad wird von einem Strau\u00df begleitet, Kim Jong-Il von einem Panda, Benito Mussolini von einem Esel und ein exaltierter Flamingo beugt sein Haupt vor dem grauen Ajatollah Chomeini.<\/p>\n<p>Die Laubs\u00e4gearbeit<strong> &#8222;Ornament&#8220; <\/strong>besteht aus ca. 200 Einzelteilen: Ikonen der kollektiven Erinnerung wie der fallende Soldat von Robert Capa oder der mit einer Kapuze versehene Gepeinigte aus Abu-Ghuraib h\u00e4ngen neben Unbekannten, Soldaten neben Zivilisten, Politiker neben Personen aus der Popkultur. An was erinnern wir uns &#8211; und warum?<\/p>\n<p>Wir danken herzlich allen Beteiligten, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Dem <a title=\"ARD-Hauptstadtstudio\" href=\"http:\/\/www.ard-hauptstadtstudio.de\/\" target=\"_blank\"><strong>ARD-Hauptstadtstudio<\/strong><\/a>, dem Studioleiter <strong>Ulrich Deppendorf <\/strong>und der Leiterin Kommunikation, <strong>Eva Woyte<\/strong>, sowie all den zahlreichen Mitarbeitern\/innen, die scheinbar Unm\u00f6gliches m\u00f6glich machten, nicht zuletzt den Damen und Herren aus dem Archiv und den Cutterinnen, die den K\u00fcnstler bei der Erstellung der Videoinstallationen unterst\u00fctzten.<\/li>\n<li>Der <strong><a title=\"Deutsche Atlantische Gesellschaft\" href=\"http:\/\/www.deutscheatlantischegesellschaft.de\/\" target=\"_blank\">Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V.<\/a><\/strong>, vertreten durch ihren Pr\u00e4sidenten <strong><a title=\"PSt Christian Schmidt, MdB\" href=\"http:\/\/www.christian-schmidt.de\/index.php\" target=\"_blank\">Christian Schmidt<\/a><\/strong> MdB und ihren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer <strong>Johannes Lay<\/strong> sowie seinen Mitarbeitern\/innen.<\/li>\n<li><strong><a title=\"Sony Home Entertainment\" href=\"http:\/\/www.sony.de\/hub\/1237477744026\/\" target=\"_blank\">Sony Deutschland<\/a> <\/strong>f\u00fcr das gro\u00dfz\u00fcgige Sachsponsoring.<\/li>\n<li>Unz\u00e4hligen weiteren Personen f\u00fcr Inspirationen, Hinweise und Hilfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\">ngg_shortcode_1_placeholder<\/p>\n<p>Zum Ausstellungsende wird ein Katalog erscheinen. Bitte vermerken Sie Ihr unverbindliches Interesse unter order@wartist.org.<\/p>\n<p>Begleitend zur Ausstellung werden folgende <strong>Sammlereditionen <\/strong>angeboten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>&#8222;Tr\u00fcmmerfrau&#8220;<\/strong><br \/>\nAcryl auf Leinwand\/Sperrholz, gebeizt<br \/>\n25 x 30 cm<br \/>\n111 Exemplare, nummeriert und signiert<br \/>\n150,- \u20ac<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>&#8222;Bullet Hole&#8220;<br \/>\n<\/strong>Gips<br \/>\n10 x 10 x 5 cm<br \/>\nMultiple, signiert<br \/>\n30,- \u20ac<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Weitere Informationen oder Bestellungen unter order@wartist.org.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Die Ausstellung ist nach Voranmeldung per Telefon, Fax oder Email t\u00e4glich bis 15. April 2012 zu besichtigen. Anfragen f\u00fcr K\u00fcnstler- oder Kuratorenf\u00fchrungen sind an order@wartist.org zu richten.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Prosa der Ereignisse&#8220;<\/strong><br \/>\n8. Februar \u2013 15. April 2012 (t\u00e4glich nach Voranmeldung)<\/p>\n<p><a title=\"ARD-Hauptstadtstudio\" href=\"http:\/\/www.ard-hauptstadtstudio.de\/\" target=\"_blank\"><strong>ARD-Hauptstadtstudio<\/strong><\/a><br \/>\nWilhelmstr. 67a<br \/>\n10117 Berlin<br \/>\nTel.: 030 \/ 2288 1100<br \/>\nFax: 030 \/ 2288 1109<br \/>\nEmail <a title=\"E-Mail: kommunikation@ard-hauptstadtstudio.de\" href=\"mailto:kommunikation@ard-hauptstadtstudio.de\" target=\"_blank\">kommunikation@ard-hauptstadtstudio.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. Februar 2012 wurde die Ausstellung &#8222;Die Prosa der Ereignisse&#8220; im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin vor zahlreichen G\u00e4sten er\u00f6ffnet. Jens Kloppmann pr\u00e4sentiert einen Querschnitt durch sein Schaffen in den vergangenen Jahren, bis hin zu eigens f\u00fcr die Ausstellung erstellten Videoinstallationen. 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