{"id":2020,"date":"2018-02-14T18:17:25","date_gmt":"2018-02-14T17:17:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=2020"},"modified":"2018-02-22T15:45:50","modified_gmt":"2018-02-22T14:45:50","slug":"68-berlinale-2018-filme-mit-kriegsbezug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=2020","title":{"rendered":"68. Berlinale 2018: Filme mit Kriegsbezug"},"content":{"rendered":"<p>ngg_shortcode_0_placeholder<\/p>\n<p>Zur diesj\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/www.berlinale.de\"><strong>Berlinale<\/strong><\/a> erh\u00f6hen sich nicht nur erneut die Preise f\u00fcr die Eintrittskarten (12,- \u20ac Standardpreis, 15,- \u20ac f\u00fcr Filme aus den Sektionen Wettbewerb und Special, 5,- \u20ac f\u00fcr Filme aus den Generation-Sektionen), sondern auch die Anzahl der Filme, die sich auf verschiedene Weise mit Krieg, Terror und nat\u00fcrlich auch Flucht auseinandersetzen. Dokumentarfilme \u00fcberwiegen deutlich; nicht wenige Filme sind k\u00fcnstlerische Arbeiten. Insgesamt scheint die Distanz zwischen dem wieder spannenden Wettbewerbsprogramm und den Filmen aus den anderen Sektionen zu wachsen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Filme im Wettbewerb<\/strong><\/p>\n<p>Der erneut interessante Wettbewerb bietet gleich mehrere diesbez\u00fcglich relevante Einreichungen: <strong>Ut\u00f8ya 22. Juli<\/strong> (Norwegen 2018) behandelt den Terroranschlag des Rechtsextremisten Anders Breivik am 22.7.2011: Nach der Z\u00fcndung einer massiven, selbst gefertigten Bomben in Oslo, bei der acht Menschen starben, fuhr der schwer bewaffnete Attent\u00e4ter auf die Insel Ut\u00f8ya und ermordete 69 Menschen, die dort in einem Ferienlager campierten. Der Spielfilm zeigt die Geschehnisse aus der Opferperspektive der Jugendlichen. Der Regisseur <strong>Lav Diaz<\/strong> bezeichnet seinen Film <strong><em>Ang Panahon ng Halimaw<\/em><\/strong> (Season of the Devil\/In Zeiten des Teufels, Philippinen 2018) als \u201ephilippinische Rockoper\u201c. In fast vier Stunden zeigt der Schwarz-wei\u00df-Film die von der Diktatur zerr\u00fcttete Gesellschaft anhand eines von einer Miliz terrorisierten Dorfes. <strong>Christian Petzold<\/strong> wurde bereits 2012 mit dem Silbernen B\u00e4ren f\u00fcr die beste Regie ausgezeichnet; in diesem Jahr zeigt er <strong>Transit<\/strong> (Deutschland\/Frankreich 2018) nach dem gleichnamigen Roman von <strong>Anna Seghers<\/strong> (<strong>\u201eDas siebte Kreuz\u201c<\/strong>): Vor dem Hintergrund der Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahr 1940 spielt der Film im heutigen Marseille; die historischen treffen auf heutige Fl\u00fcchtende.<\/p>\n<p>Ebenfalls mit Flucht setzt sich der au\u00dfer Konkurrenz laufende Wettbewerbsbeitrag <strong>Eldorado <\/strong>(Schweiz\/Deutschland 2018) von <strong>Markus Imhoof<\/strong> (der bereits 1981 mit dem Silbernen B\u00e4ren f\u00fcr \u201eDas Boot ist voll\u201c ausgezeichnet wurde) auseinander, wobei der Dokumentarfilm auch das System der organisierten Hilfe hinterfragt. Der brasilianische Regisseur <strong>Jos\u00e9 Padilha <\/strong>hat ebenfalls B\u00e4renerfahrung: Sein spannender <strong><em>Tropa de Elite<\/em><\/strong> erhielt 2008 den Goldenen B\u00e4ren. Nun zeigt er mit <strong>7 Tage in Entebbe<\/strong> (USA\/UK 2018) auf der Basis neuer Recherchen eine andere Version der Ereignisse um den 27.6.1976, als pal\u00e4stinensische und linksextreme deutsche Terroristen ein Flugzeug mit vor allem israelischen Passagieren entf\u00fchrten, wobei sie vom ugandischen Diktator <strong>Idi Amin<\/strong> unterst\u00fctzt wurden. <strong><em>Black 47<\/em><\/strong> (Irland\/Luxemburg 2018) verspricht ein \u00fcberaus interessanter Beitrag zu werden: Der irische Soldat Feeney kehrt aus Afghanistan als Deserteur zur\u00fcck \u2013 das Jahr ist 1847, seine Heimat erlebt gr\u00f6\u00dfte Not. Der Protagonist reagiert auf den Terror der Besatzer mit einem Rachefeldzug. <strong>Hugo Weaving<\/strong> spielt dabei seinen ehemaligen Afghanistan-Kameraden, der Feeney zur Strecke bringen soll.<\/p>\n<p><strong>Erster Weltkrieg in der Retrospektive<\/strong><\/p>\n<p>In der diesj\u00e4hrigen Retrospektive stehen die Filme der Weimarer Republik im Zentrum. Somit k\u00f6nnen einige Filme entdeckt werden, die sich mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen auseinandersetzen.<strong> Die andere Seite<\/strong> (Deutschland 1931) spielt auf der britischen Seite der Westfront im Jahr 1918. Basierend auf einem Theaterst\u00fcck behandelt der Film die zerm\u00fcrbende Wirkung des Stellungskrieges. Nach dem Erscheinen pries der sp\u00e4tere NS-Propagandaminister Goebbels den Film: \u201eEin guter Film. Ohne Sentimentalit\u00e4t. Der Krieg als inneres Erlebnis.\u201c Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde \u201eDie andere Seite\u201c als \u201ewehrkraftzersetzend\u201c verboten. <strong>Heimkehr <\/strong>(Deutschland 1928) ist die Adaption der Novelle \u201eKarl und Anna\u201c von Leonhard Frank: Zwei deutsche Soldaten fliehen aus der Kriegsgefangenschaft \u2013 aus der R\u00fcckkehr wird ein Dreiecksmelodram mit der Frau des einen Kameraden. <strong>Georg Wilhelm Papsts<\/strong> (<strong>\u201eWestfront 1918\u201c<\/strong>) Spielfilm <strong>Kameradschaft <\/strong>(Deutschland\/Frankreich 1931) handelt von einem Grubenungl\u00fcck in einem Kohlerevier im deutsch-franz\u00f6sischen Grenzgebiet. Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs und der problembehafteten Nachkriegsordnung ist der Film ein Appell an Vers\u00f6hnung und V\u00f6lkerfreundschaft.<\/p>\n<p><strong>Weitere Retrospektive-Filme <\/strong><\/p>\n<p>Ebenfalls in der Retrospektive findet sich <strong>Der Katzensteg <\/strong>(Deutschland 1927), der zur, vor allem jedoch nach der napoleonischen Besetzung Preu\u00dfens 1813 spielt. Anhand der Nachkriegsgesellschaft unterstreicht der Film die Notwendigkeit von Vers\u00f6hnung und Nachdenklichkeit, anstatt gegen den im Ersten Weltkrieg siegreichen \u201eErbfeind\u201c zu propagieren. Sidney Lumets <strong>Angriffsziel Moskau <\/strong>(Fail Safe, USA 1964) wird als Urauff\u00fchrung der digital restaurierten Fassung in 4K gezeigt: Die u.a. mit Henry Fonda und Walter Matthau hochkar\u00e4tig besetzte Romanadaption thematisiert einen m\u00f6glichen Nuklearkrieg aufgrund einer Verkettung von Fehlern. <strong><em>Letjat Schurawli<\/em><\/strong> (Wenn die Kraniche ziehen, UdSSR 1957) stellt nicht sowjetische Helden in den Vordergrund, die im \u201eGro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg\u201c gegen die Nazi-Invasoren k\u00e4mpfen und siegen, sondern behandelt das Leiden der Zivilbev\u00f6lkerung. 1958 erhielt der Film die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes. Im Rahmen der Retrospektive von Filmen mit <strong>Willem Dafoe<\/strong> darf nat\u00fcrlich <strong>Oliver Stones <\/strong>Vietnamkriegsfilm <strong>Platoon<\/strong> (USA 1986) nicht fehlen.<\/p>\n<p><strong>Soldatische Ausbildung und Rekrutierung<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunlich viele Filme behandeln dieses Jahr die Ausbildung von Soldaten, Polizisten \u2013 oder auch Milizen: Der Dokumentarfilm <strong><em>Premi\u00e8res armes<\/em><\/strong> (First Stripes, Kanada 2018) behandelt den \u00dcbergang vom Zivilleben zum Milit\u00e4r. <strong><em>Syn<\/em> <\/strong>(The Son, Frankreich\/Russische F\u00f6deration 2018) zeigt ebenso die Ausbildung zum Soldaten, hier in Russland. Der Cousin des Regisseurs <strong>Alexander Abaturov<\/strong> fiel 2013 als russischer Soldat in der nordkaukasischen Republik Dagestan. \u201eSyn\u201c setzt die Ausbildung der Rekruten und die Auswahl der besten f\u00fcr die Spezialeinheiten mit der Leere der Eltern seines Cousins entgegen. Die Langzeitdokumentation <strong><em>What Walaa Wants<\/em><\/strong> (Kanada\/D\u00e4nemark 2018) begleitet die Protagonistin zwischen ihrem 15. und 20. Lebensjahr in ihrem Wunsch, Polizistin f\u00fcr die Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde zu werden. <strong><em>A\u017e p\u0159ijde v\u00e1lka<\/em><\/strong> (When the War Comes, Tschechische Republik\/Kroatien 2018) betrachtet keine staatlichen Strukturen, sondern die Freizeitaktivit\u00e4ten der <em>Slovensk\u00ed Branci<\/em> (slowakischen Rekruten), die paramilit\u00e4risches Training in hierarchischen Strukturen erhalten. Die Dokumentation begleitet die Freiwilligen und den Mitgr\u00fcnder der Organisation Peter \u0160vr\u010dek.<\/p>\n<p>Nicht die Ausbildung, aber die Rekrutierung von Freiwilligen f\u00fcr die Terrorgruppierung Daesh\/IS behandelt die Literaturadaption<strong><em> Profile<\/em> <\/strong>(USA\/UK\/Zypern\/Russische F\u00f6deration 2018): Eine Journalistin recherchiert zu den Online-Rekrutierungsmethoden des IS. Als angebliche Konvertitin ger\u00e4t sie zunehmend in den Bann des charismatischen Terroristen. Der hochaktuelle Film fokussiert sich dabei in seiner Visualisierung auf die virtuelle Welt. Der dokumentarische Kurzfilm <strong><em>After\/Life <\/em><\/strong>(USA 2018) wurde im Grenzgebiet der USA zu Mexiko gedreht: Dort befinden sich Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze des US-Milit\u00e4rs, w\u00e4hrend auch illegale Migranten durch die W\u00fcste in die USA gelangen wollen.<\/p>\n<p><strong>Traumata und Erinnerung<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer signifikanter Themenkomplex bilden die Erinnerung an Krieg und Verlust sowie erlittene Traumata. <strong>Lola Arias\u2018<\/strong> Dokumentation <strong><em>Teatro de Guerra<\/em> <\/strong>(Argentinien\/Spanien 2018) f\u00fchrt argentinische und britische Veteranen des hierzulande kaum wahrgenommenen Falklandkriegs (1982) zusammen. Dar\u00fcber hinaus treffen sie auf Schauspieler im damaligen Alter der Protagonisten \u2013 was w\u00e4re aus ihnen geworden, h\u00e4tten sie in den Krieg ziehen m\u00fcssen? Wie k\u00f6nnen Erinnerungen weiterleben? <strong><em>Den&#8216; Pobedy<\/em><\/strong> (Victory Day, Deutschland 2018) betrachtet die unterschiedlichen Personen, die zum 9. Mai \u2013 und damit dem Tag des Sieges der Sowjetunion \u00fcber das NS-Deutschland 1945 \u2013 am sowjetischen Denkmal im Treptower Park Berlins zusammenkommen: Die einen erinnern an Leid und Verlust, andere wollen den Sieg und vor allem die Gr\u00f6\u00dfe der Sowjetunion (oder gar Stalin) feiern, wieder andere sind Schaulustige jenes Treibens. Ein weiterer Dokumentarfilm ist <strong><em>The Silence of Others<\/em>&nbsp;<\/strong>(USA\/Spanien 2018), der sich mit der Generalamnestie f\u00fcr die T\u00e4ter der faschistischen Franco-Diktatur Spaniens (1936-1975) auseinandersetzt; unbehelligt leben einstige T\u00e4ter neben den Hinterbliebenen der Opfer. Wie k\u00f6nnen Gesellschaften mit jenen Herausforderungen umgehen? Auch <strong>Unas Preguntas <\/strong>(One or Two Questions, Deutschland\/Uruguay 2018) behandelt diese Fragen, wenige Jahre nach dem Ende des Milit\u00e4rregimes (1973-1985), basierend auf damaligen Videoaufnahmen von \u00f6ffentlichen Diskussionen.<\/p>\n<p><strong><em>MA&#8217;OHI NUI, au c\u0153ur de l\u2019oc\u00e9an mon pays<\/em><\/strong> (MA\u2019OHI NUI, in the heart of the ocean my country lies; Belgien 2018) in der NATIVe-Sektion betrachtet die physischen und psychischen Langzeitwirkungen der franz\u00f6sischen Nukleartests in Polynesien. Auch <strong><em>The Interpreter <\/em><\/strong>(Slowakische Republik\/Tschechische Republik\/\u00d6sterreich 2018) dreht sich um Wunden der Erinnerung: Ein alter \u00dcbersetzer st\u00f6\u00dft \u00fcber ein Buch auf den m\u00f6glichen M\u00f6rder seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg von einem SS-Mann ermordet wurde. Der Rentner trifft auf den Sohn des letzteren; in oft tragikomischen Momenten versuchen sich die beiden von der Last ihrer Biographien zu befreien. Auch <strong>Waldheims Walzer<\/strong> (\u00d6sterreich 2018) widmet sich aus \u00f6sterreichischer Perspektive dem Umgang mit den NS-T\u00e4tern: Die Dokumentation erinnert an die Auseinandersetzungen zur Kandidatur des ehemaligen UN-Generalsekret\u00e4rs Kurt Waldheim als Pr\u00e4sident \u00d6sterreich im Jahr 1986. Dieser war als Wehrmachts-Offizier im Partisanenkrieg eingesetzt gewesen, wollte diesen Teil seiner Geschichte jedoch ausblenden. Neben Protesten fanden sich auch Unterst\u00fctzer, deren ressentimentgeladene Geisteshaltung auch heute ersch\u00fcttert. Der Kinderkurzfilm <strong><em>Yover<\/em><\/strong> (Kolumbien 2018) behandelt die Nachkriegssituation im vom jahrzehntelangen Guerillakrieg zerr\u00fctteten Kolumbien: Das Leben ist hart, aber der Lebensmut kehrt zur\u00fcck. Der Kurzfilm <strong><em>Imfura<\/em><\/strong> (Schweiz\/Ruanda 2017) dreht sich um das Leben mit den Auswirkungen des Genozids in Ruanda 1994, wobei er dokumentarisches und inszenierte Teile miteinander verbindet \u2013 die Situation in jener Region kann auch heute kaum entspannt genannt werden.<\/p>\n<p><strong><em>Land<\/em><\/strong> (Italien\/Frankreich\/Niederlande\/Mexiko\/Katar 2018) behandelt Krieg indirekt: Der j\u00fcngste Sohn der indigenen Familie Denetclaw fiel beim Einsatz f\u00fcr das US-Milit\u00e4r; seine komplizierte \u00dcberf\u00fchrung fordert die Familienmitglieder zu Entscheidungen. Dem Leben der mit tamilischen Wurzeln geborenen und unter dem K\u00fcnstlernamen \u201eM.I.A.\u201c bekannten Musikerin und nicht zuletzt weitr\u00e4umig t\u00e4tigen Aktivistin <strong>Mathangi \u201eMaya\u201c Arulpragasam <\/strong>geht die Dokumentation <strong><em>Matangi \/ Maya \/ M.I.A.<\/em> <\/strong>(USA\/Gro\u00dfbritannien\/Sri Lanka 2018) nach.<\/p>\n<p><strong>Bosnienkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Der Bosnienkrieg als Teil des Zerfalls Jugoslawiens wird gleich in mehreren Filmbeitr\u00e4gen thematisiert: Der Kinderfilm <strong><em>Snijeg za Vodu<\/em><\/strong> (Schnee f\u00fcr Wasser, Bosnien-Herzegowina\/Gro\u00dfbritannien 2017) zeigt den Versuch, im belagerten Sarajevo zu \u00fcberleben; das Wasserholen wird zur t\u00f6dlichen Gefahr. Wie sieht eine Kindheit im Krieg aus? Jeweils in der Sektion \u201eForum Expanded\u201c finden sich die Filme <strong><em>Araf<\/em> <\/strong>(Griechenland\/T\u00fcrkei\/Bosnien-Herzegowina 2018) von Didem Pek\u00fcn und <strong><em>Today is 11th June 1993<\/em><\/strong>&nbsp;(Deutschland\/Bosnien-Herzegowina 2018) von Clarissa Thieme als weitere Auseinandersetzungen mit den Ereignissen der fr\u00fchen 1990er Jahre. Thieme recherchierte im privaten <em>Hamdija Kre\u0161evljakovic\u0301 Video Archive<\/em>, einer Sammlung von Amateurvideos, die Bewohner des belagerten Sarajewos zur Dokumentation ihrer Situation anfertigten. Dort fand sie auch ein Video, in dem Jugendliche ihre Flucht aus der Stadt mit Hilfe einer Zeitmaschine imaginierten. <em>Araf<\/em> hingegen ist eine k\u00fcnstlerische Ann\u00e4herung an die Erinnerung an den Krieg und den V\u00f6lkermord von Srebrenica. Auf andere Weise abstrakt ist <strong>Drvo <\/strong>(The Tree, Portugal 2018), in dem ein Mann w\u00e4hrend eines ungenannten Krieges Wasser holt; der Zuschauer muss jedoch hinterfragen, was authentisch sein soll, und was \u00fcberh\u00f6hte Fiktion.<\/p>\n<p><strong>Krieg und Konflikt im Mittleren Osten<\/strong><\/p>\n<p>Dem gegenw\u00e4rtigen Konfliktbogen im Mittleren Osten widmen sich mehrere Beitr\u00e4ge auf der Berlinale: <strong>Ard al mahshar<\/strong> (Land of Doom, Libanon\/Syrien 2017) dokumentiert die letzten Tage der Belagerung Ost-Aleppos und kombiniert dies mit den Skype-Gespr\u00e4chen zwischen dem dort lebenden Fotografen Ghith und dem Filmemacher Milad Amin aus Beirut. Im autodokumentarischen <strong>The Men Behind the Wall<\/strong> (Israel 2018) sucht die in Israel lebende K\u00fcnstlerin Ines Moldavsky nach M\u00e4nnern \u2013 doch diese leben auf der anderen Seite der Grenze, in Pal\u00e4stina. Die Dokumentation <strong>The Invisible Hands <\/strong>(Griechenland\/\u00c4gypten 2017) betrachtet die Musikproduktion w\u00e4hrend der Arabellion in \u00c4gypten. Die Videoinstallation <strong>We are Not Worried in the Least <\/strong>der \u00e4gyptischen K\u00fcnstlerin <strong>Jasmina Metwaly<\/strong> in der Galerie <strong>Savvy Contemporary<\/strong> als Begleitprogramm zur Berlinale behandelt ebenso die Lebensumst\u00e4nde seit der Arabellion in \u00c4gypten. Auch dieses Jahr findet sich im Programm ein Beitrag, der sich mit dem Grenzkonflikt zwischen Algerien und Marokko auseinandersetzt: Der Spielfilm <strong>Apatride <\/strong>(Marokko\/Frankreich\/Katar 2018) zeigt die Folgen des Konflikts, auch mehr als 40 Jahre nach den Geschehnissen. <strong>Taste of Cement <\/strong>(Deutschland\/Syrien\/Libanon\/Vereinigte Arabische Emirate\/Katar 2017) widmet sich den Fl\u00fcchtlingen des Syrien-Krieges; viele von ihnen arbeiten auf den Baustellen Beiruts. <strong><em>The Disappeared<\/em><\/strong> (Deutschland\/Israel 2018) begibt sich auf die Spuren des Actionfilms <strong><em>Hane\u2019elam<\/em><\/strong> (Die Verschwundenen), der im Jahr 2000 von der israelischen Armee produziert wurde. In ihm wurde das Tabuthema der steigenden Selbstmordrate unter den Soldaten adressiert \u2013 doch der Film verschwand selbst kurz vor seinem Kinostart.<\/p>\n<p><strong>9\/11 und die Folgen<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen des Segments \u201eBerlinale Series\u201c werden die ersten beiden Episoden von <strong><em>The Looming Towers<\/em><\/strong> (USA 2017) gezeigt: Ende der 1990er wird die Bedrohung der USA mit einem Terroranschlag immer wahrscheinlicher, doch FBI und CIA verstricken sich in Grabenk\u00e4mpfen. Das dokumentarische Filmexperiment <strong><em>Watching the Detectives <\/em><\/strong>(Kanada 2017) beschreibt die Suche nach dem Attent\u00e4ter des Bombenanschlags von Boston 2013 durch Internetcommunitys. Ein weiterer Dokumentarfilm ist <strong><em>National Bird <\/em><\/strong>(Deutschland\/USA 2016) \u00fcber den Einsatz von bewaffneten Drohnen durch die USA im Krieg gegen den Terror: Drei Veteranen der Air Force versuchen, sich mit ihrer eigenen Beteiligung an dem Krieg auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Verschiedene Kriege<\/strong><\/p>\n<p>Robert Schwendtkes Film <strong>Der Hauptmann <\/strong>(Deutschland\/Frankreich\/Polen 2017) spielt in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges und basiert auf furchtbaren Tatsachen: Im Machtvakuum der zerfallenden NS-Diktatur rei\u00dft ein malevolenter Widerg\u00e4nger des Hauptmanns von K\u00f6penick die lokale Macht an sich, was innerhalb weniger Wochen mehr als 100 Menschen das Leben kostete. <strong>Das Kongo Tribunal <\/strong>(Deutschland\/Schweiz 2017) thematisiert den Kongo-Krieg mit seinen Millionen an Toten und Vertriebenen; anhand eines \u201eVolkstribunals\u201c will der Film den \u201egr\u00f6\u00dften Wirtschaftskrieg der Menschheitsgeschichte\u201c darstellen. In den Produktionen des Theaterregisseurs <strong>Milo Rau<\/strong>, der auch schon den Monolog des bereits erw\u00e4hnten Rechtsextremisten Anders Breivik auf die B\u00fchne brachte, kann man sich \u00fcber die klare Verteildung von Gut und B\u00f6se sicher sein. <strong>Das schweigende Klassenzimmer <\/strong>(Deutschland 2017) basiert auf autobiographischen Aufzeichnungen: In Stalinstadt (DDR, dem sp\u00e4teren Eisenh\u00fcttenstadt) beschlie\u00dft im Jahr 1956 eine Schulklasse, eine Schweigeminute f\u00fcr die Toten des Volksaufstandes in Ungarn abzuhalten. W\u00e4hrend der Schulleiter diesen Akt zivilen Ungehorsams herunterspielen will, m\u00f6chte der Bildungsminister ein Exempel statuieren.<\/p>\n<p><strong>Krieg auf der Meta-Ebene<\/strong><\/p>\n<p>Mehrere Arbeiten behandeln Krieg und Gewalt auf der Meta-Ebene, beispielsweise der s\u00fcdkoreanische <strong>Inkan, gongkan, sikan grigo inkan <\/strong>(Human, Space, Time and Human; S\u00fcdkorea 2018), in dem eine Gruppe h\u00f6chst unterschiedlicher Menschen mit einem alten Kriegsschiff in See sticht; Gewalt und Machtstrukturen zeigen sich schnell, w\u00e4hrend die Geschehnisse sich immer weiter von der erfassbaren Realit\u00e4t entfernen. Im Sonderkurzfilmprogramm findet sich mit <strong>Antigone<\/strong> (Bundesrepublik Deutschland 1964) eine verdichtete Fassung des antiken Dramas: Wann ist der Moment des ultimativen Einstehens f\u00fcr die eigenen Werte, und hat man in diesem Moment den Mut, diese auch auf Kosten des eigenen Lebens zu verteidigen? Im selben Sonderprogramm, das einen \u00fcberaus weiten Bogen um 50 Jahre 1968 spannt, befindet sich <strong>Farbtest Rote Fahne<\/strong> (Bundesrepublik Deutschland 1968), in dem 15 M\u00e4nner (unter anderem der sp\u00e4tere RAF-Terrorist <strong>Holger Meins<\/strong>) eine rote Fahne durch Westberlin tragen, um sie am Ende auf dem Balkon des Rathauses Sch\u00f6neberg zu hissen, dem damaligen Sitz der Regierung Westberlins.<\/p>\n<p>Krieg, Terror und Flucht werden somit auf der diesj\u00e4hrigen Berlinale in einem weiten Rahmen thematisiert. Wie immer sind die bei diesem Festival \u00fcblichen Vorverkaufsfristen f\u00fcr die in der Regel begehrten Tickets zu beachten.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Berlinale \u2013 68. Internationale Filmfestspiele von Berlin<br \/>\n<\/strong>15.-25.02.2018, verschiedene Orte in Berlin<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur diesj\u00e4hrigen Berlinale erh\u00f6hen sich nicht nur erneut die Preise f\u00fcr die Eintrittskarten (12,- \u20ac Standardpreis, 15,- \u20ac f\u00fcr Filme aus den Sektionen Wettbewerb und Special, 5,- \u20ac f\u00fcr Filme aus den Generation-Sektionen), sondern auch die Anzahl der Filme, die sich auf verschiedene Weise mit Krieg, Terror und nat\u00fcrlich auch Flucht auseinandersetzen. Dokumentarfilme \u00fcberwiegen deutlich; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=2020\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e68. 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