{"id":723,"date":"2010-10-30T15:29:44","date_gmt":"2010-10-30T14:29:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=723"},"modified":"2011-03-11T17:25:25","modified_gmt":"2011-03-11T16:25:25","slug":"jurgen-graetz-erinnerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=723","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Graetz: Erinnerungen"},"content":{"rendered":"<p>Wie <a title=\"Vernissage: J\u00fcrgen Graetz - Erinnerungen (Wartist)\" href=\"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=706\" target=\"_self\">bereits angek\u00fcndigt<\/a>, wurde am 29. Oktober 2010 die Ausstellung &#8222;Erinnerungen&#8220; mit Fotografien des in der <a title=\"DDR (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/DDR\" target=\"_blank\">DDR<\/a> aufgewachsenen <strong>J\u00fcrgen Graetz <\/strong>in den R\u00e4umlichkeiten der Berliner Politikberatungsfirma <a title=\"republik movida GmbH\" href=\"http:\/\/www.republik-movida.de\/\" target=\"_blank\"><strong>republik movida GmbH<\/strong><\/a>\u00a0erfolgreich er\u00f6ffnet. Das Gru\u00dfwort sprach <a title=\"Lars Lindemann MdB (FDP)\" href=\"http:\/\/www.lars-lindemann.info\/\" target=\"_blank\"><strong>Lars Lindemann MdB<\/strong> (FDP)<\/a>\u00a0in Anwesenheit des K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholder<!--more--><\/p>\n<p>So f\u00fchlte sich der Bundestagsabgeordnete nicht nur an seine eigene Kindheit in Brandenburg erinnert, an die Fahnenappelle und Aufm\u00e4rsche in Berlin, sondern auch an seine eigene Ausreise von Deutschland (Ost) nach Deutschland (West).<\/p>\n<p>Jene absurde Realit\u00e4t ist nun seit kaum mehr als 20 Jahren Geschichte: Eine ganze Generation ist nun ohne deutsch-deutsche Trennung herangewachsen. Umso mehr macht es Sinn, daran zu erinnern; denn in den Schulen erfahren die Kinder und Jugendlichen leider wenig bis nichts hiervon.<\/p>\n<p>Lindemann fuhr fort: &#8222;Viele der Bilder rezipiert man heute ganz anders als damals, als sie entstanden sind. Heute stehen wir davor und bei jedem l\u00e4uft ein eigener Film dazu ab: abh\u00e4ngig davon, was wir erlebt haben; abh\u00e4ngig davon, ob wir die Originale erlebt haben.\u00a0Der Blick von J\u00fcrgen Graetz ist immer detailverliebt, nie sich lustig machend.&#8220;<\/p>\n<p>Der Kurator Martin Bayer\u00a0verwies auf die Vielschichtigkeit der Bilder: &#8222;Man sieht die Fotografie mit den lachenden, fr\u00f6hlichen Punks und f\u00fchlt im ersten Moment nur die gel\u00f6ste Atmosph\u00e4re. Aber die im Kulturpark Treptow erstellte Aufnahme\u00a0\u00a0ist aus dem Jahr 1983, und Punker und andere alternative Lebensmodelle waren in der DDR ausgegrenzt und verschiedensten Repressalien ausgesetzt.&#8220;<\/p>\n<p>Nicht zuletzt haben\u00a0es ihm\u00a0Graetz&#8216; Aufnahmen vom <a title=\"Sowjetisches Ehrenmal Berlin-Treptow (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sowjetisches_Ehrenmal_(Treptower_Park)\" target=\"_blank\">Sowjetischen Ehrenmal in Berlin<\/a> (von denen in der Ausstellung 15 zu sehen sind) angetan: &#8222;Ein sowjetischer Soldat der <a title=\"WGT (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Westgruppe_der_Truppen\" target=\"_blank\">Westgruppe der Truppen<\/a> fegt im Februar 1993 Schnee von einer Gedenkplatte: &#8218;Die Heimat wird ihre Helden nicht vergessen&#8216; steht dort auf Russisch und Deutsch. Wieviel ist hiervon Wunsch, wieviel ironisch gebrochene Wirklichkeit? Auf dem n\u00e4chsten Bild ein stramm marschierender Trupp im Paradeschritt &#8211; aus dem Nebel kommend, im Nebel vergehend. Dann eine vierk\u00f6pfige, sich an den H\u00e4nden fassende Familie; sie\u00a0geht mit dem Rotarmisten des n\u00e4chsten Fotos eine Verbindung aus Einsamkeit und Melancholie ein. Stoisch, geradezu skulpturenhaft wacht ein anderer Soldat vor dem im Nebel verschwimmenden Denkmal. Ihm gegen\u00fcbergestellt ist eine trauernde Mutter. Hier erh\u00e4lt das Ehrenmal seine eigentliche Rolle zur\u00fcck: von der offiziellen &#8218;Kranzabwurfstelle&#8216; zum pers\u00f6nlichen, ja intimen Erinnerungsort. Graetz vermag es, diese Augenblicke festzuhalten und uns zu ber\u00fchren.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ngg_shortcode_2_placeholder<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Graetz&#8216; Fotografien zeichnen sich durch einen ber\u00fcckenden Blick aus: er nimmt die Menschen in ihrer Situation wahr. Dabei verzichtet er auf plakative Effekte, auf vordergr\u00fcndiges Stilisieren oder\u00a0platte Nostalgie.<\/p>\n<p>&#8222;Oft sind es die vermeintlich Schwachen und die Au\u00dfenseiter, denen er Gesichter gibt: die Kinder, die Alten, die Einsamen; oder die, die in der Gesellschaft schlechte Chance haben: Einzelh\u00e4ndler, Fabrikarbeiter, berufst\u00e4tige Frauen, Sowjetsoldaten. Graetz bevorzugt eine eher vorsichtige Ann\u00e4herung, keine mit dem Finger zeigende, und in keinem Fall eine denunzierende. Immer wahren die Aufgenommenen ihre W\u00fcrde. Es ist die teilnehmende, tastende Subjektivit\u00e4t des Fotografen mit seinem feinen Humor, der leisen Ironie und seiner hohen Sensibilit\u00e4t, die den Betrachter ber\u00fchren&#8220;, so Dr. Peter B\u00f6thig vom <a title=\"Kurt Tucholsky Museum, Rheinsberg\" href=\"http:\/\/www.tucholsky-museum.de\/\" target=\"_blank\">Kurt Tucholsky Literaturmuseum<\/a> in Rheinsberg in seinem Vorwort zum leider vergriffenen Bildband <a title=\"J\u00fcrgen Graetz - Fotografien 1958-2008 (Amazon.de)\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/J%C3%BCrgen-Graetz-Fotografien-1958-2008\/dp\/3000252223\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1290357858&amp;sr=8-1\" target=\"_blank\">&#8222;J\u00fcrgen Graetz &#8211; Fotografien 1958-2008&#8220;<\/a>.<sup class='footnote'><a href='#fn-723-1' id='fnref-723-1' onclick='return fdfootnote_show(723)'>1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die lohnenswerte Ausstellung mit 42 Fotografien ist noch bis Ende Februar 2011 in den R\u00e4umlichkeiten der republik movida GmbH nach Anmeldung zu besichtigen:<\/p>\n<p>Wartist pr\u00e4sentiert:<br \/>\n<strong>Erinnerungen &#8211; Fotografien von J\u00fcrgen Graetz<\/strong><br \/>\nrepublik movida GmbH<br \/>\nLuisenstr. 41<br \/>\n10117 Berlin<br \/>\nTel. 030-526 825 410<br \/>\nEmail <a href=\"mailto:info@republik.movida.de\">info@republik.movida.de<\/a><\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-723'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-723-1'> Edition Stechlin, 2008; 176 Seiten, ISBN 978-3000252228 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-723-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-723-2'> Edition Stechlin, 2008; 176 pages, ISBN 978-3000252228 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-723-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits angek\u00fcndigt, wurde am 29. 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