{"id":829,"date":"2010-02-27T17:12:53","date_gmt":"2010-02-27T16:12:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=829"},"modified":"2011-01-19T18:29:13","modified_gmt":"2011-01-19T17:29:13","slug":"chris-dreier-andreas-seltzer-souvenir-de-verdun-laura-mars-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wartist.org\/blog\/?p=829","title":{"rendered":"Chris Dreier &#038; Andreas Seltzer: &#8222;Souvenir de Verdun&#8220; (Laura Mars, Berlin)"},"content":{"rendered":"<p>Vom 27. Februar bis 3. April 2010 zeigen <strong><a title=\"Chris Dreier\" href=\"http:\/\/chrisdreier.de\" target=\"_blank\">Chris Dreier<\/a><\/strong> und <strong><a title=\"Andreas Seltzer @ Bewegungsbeobachter\" href=\"http:\/\/www.bewegungsbeobachter.de\/\" target=\"_blank\">Andreas Seltzer<\/a><\/strong> in der Berliner Galerie <strong><a title=\"Laura Mars Grp.\" href=\"http:\/\/www.lauramars.de\/display\/verdun\/verdun-middle.htm\" target=\"_blank\">Laura Mars Grp.<\/a><\/strong> ihren Zyklus zum <a title=\"Schlacht von Verdun (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_von_Verdun\" target=\"_blank\">Schlachtfeld von Verdun<\/a>, <em><a title=\"Souvenir de Verdun\" href=\"http:\/\/gueulecassee.com\/verdun\/\" target=\"_blank\">&#8222;Souvenir de Verdun&#8220;<\/a><\/em>. Dreier schuf mit ihren <a title=\"Lochkamera (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lochkamera\" target=\"_blank\">Lochkameras<\/a>\u00a0ber\u00fchrende Fotos; die Zernarbtheit der Landschaft wird hierbei ebenso eingefangen wie die R\u00fcckeroberung durch die Natur. Andreas Seltzer tr\u00e4gt mit akribischen Zeichnungen zum spannenden Gesamtbild bei; diese basieren auf Reisef\u00fchrern zum fr\u00fcheren Schlachtfeld, erg\u00e4nzt durch weitere Elemente.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholder<!--more--><\/p>\n<p>In der Presseerkl\u00e4rung zur Ausstellung hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Diese Ausstellung \u00e4hnelt einem Filmvorspann \u2013 den Anfang bilden Originalpanoramafotos aus Luftaufkl\u00e4rungsballons, die die Kampfgebiete der Westfront observieren, dann zeigen die Lochkamerafotos von Chris Dreier die aktuelle Oberfl\u00e4che der Schlachtfelder und darauf, gewisserma\u00dfen als Nahaufnahmen, gehen Andreas Seltzers Zeichnungen in den Untergrund.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Warum Verdun? Warum \u2013 vier Jahre vor der hundertj\u00e4hrigen Wiederkehr des ersten Weltkriegbeginns, sich in einer Kunstgalerie mit einem Ort besch\u00e4ftigen, der zum Synonym f\u00fcr den totalen Krieg geworden ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ngg_shortcode_2_placeholder<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Den Ansto\u00df f\u00fcr dieses Ausstellungsprojekt gab ein Lochkamerafoto, das Chris Dreier 2008 im Oderbruch machte. Es hat den Titel &#8222;Schilf&#8220; und zeigt, in verschwommenen Grau, nicht mehr als einige junge Schilftriebe. Sah man dies Motiv im Kontext der Ausstellung &#8222;The Grim North&#8220; (2008), wo die Fotografin zumeist Bilder aus den ehemaligen Kampfgebieten des nordirischen B\u00fcrgerkriegs pr\u00e4sentierte, dann verlor es seine Harmlosigkeit und konnte als Ansicht eines verlassenen Kriegsschauplatzes gesehen werden. Was es m\u00f6glicherweise auch war, denn die Russen \u00fcberquerten 1945 u.a. an dieser Stelle die Oder.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Diese Assoziation brachte einige bildbewusste Betrachter dazu, sich eines formal recht \u00e4hnlichen Kriegsfotos zu erinnern, das wegen seiner besonderen Trostlosigkeit immer wieder Eingang in die Literatur zum 1.Weltkrieg findet. Es zeigt eine Gruppe australischer Soldaten, die auf morastigem Grund vor einer Phalanx von nebelverh\u00fcllten Baumst\u00fcmpfen posiert: Eine Erinnerung an den Schlosswald (Chateau Wood) bei Ypern, aufgenommen am 29.Oktober 1917.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Neugierig geworden, begann Chris Dreier sich mit der Geschichte dieses Krieges, der wie kein anderer das 20. Jahrhundert pr\u00e4gte, zu besch\u00e4ftigen und reiste mit ihren Kameras zu den einstigen Schlachtfeldern von Verdun. Die Aufnahmen, die dabei entstanden, k\u00f6nnen den Gefahren der Ruinenromantik, dem pittoresken Reiz des verrosteten Kriegsger\u00e4ts, widerstehen. Die Natur, die hier die Bunker, die eingesunkenen Sch\u00fctzengr\u00e4ben und Bombentrichter bedeckt, harmonisiert nicht. Sie ist nur vegetatives Beiwerk, das sich gegen die ungeheuere Wucht, mit der diese splitterdurchsiebte Landschaft zerst\u00f6rt wurde, nicht durchsetzen kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Aufgrund der Bodenn\u00e4he der Lochkamerafotos bekommen die Mulden- und Furchenschatten, die sie zeigen, die Schw\u00e4rzen der Bunker- und Kasematteneing\u00e4nge eine gef\u00e4hrliche Suggestion \u2013 so als sei dort, im Dunkel, die Todesangst komprimiert und k\u00f6nne sich des Besuchers bem\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">In Andreas Seltzers Tinten- und Tuschezeichnungen geht es ebenfalls um Komprimierung. Als Fortsetzung seiner Arbeit \u00fcber die &#8222;Reise zum Mittelpunkt der Erde&#8220; (2003-2009) spielt auch hier das Unterirdische eine zentrale Rolle. Das maulwurfartige Leben in den Unterst\u00e4nden der Soldaten bildet den imaginativen Hintergrund.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">So entstanden Bilder, die aus unz\u00e4hligen Miniaturen zusammengesetzt sind. Es sind Komplexbilder, in deren wechselnden Licht- und Schattenzonen Textfragmente zu Verdun-Reisef\u00fchrern, realistische und groteske Bildelemente sich zu einem akribisch erfassten Pand\u00e4monium verbinden, in dem die Geister des Krieges auch s\u00e4mtliche Bereiche des Alltags infizieren.<\/p>\n<p>Zur Ausstellung ist ein <span style=\"text-decoration: underline;\">Katalog<\/span> erschienen:<br \/>\n<a title=\"Souvenir de Verdun (Katalog)\" href=\"http:\/\/www.maasmedia.net\/33verlagsprogramm-verdun.htm\" target=\"_blank\">Chris Dreier, Andreas Seltzer: &#8222;Souvenir de Verdun&#8220;<br \/>\n<\/a>MaasMedia, vol. XXXIII, ISBN 978-3-940999-15-3<br \/>\n56 Seiten, 15&#215;21 cm, 19 Farb- und 15 s\/w-Fotografien; 10 \u20ac<\/p>\n<p><strong><a title=\"Souvenir de Verdun\" href=\"http:\/\/www.lauramars.de\/display\/verdun\/verdun-middle.htm\" target=\"_blank\">Chris Dreier und Andreas Seltzer: &#8222;Souvenir de Verdun&#8220;<br \/>\n<\/a><\/strong>Laura Mars Grp.<br \/>\nSorauer Str. 3<br \/>\n10997 Berlin<\/p>\n<p>27. Februar &#8211; 3. M\u00e4rz 2010<br \/>\nDi-Fr 1300-1900h, Sa 1200-1600h<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 27. Februar bis 3. April 2010 zeigen Chris Dreier und Andreas Seltzer in der Berliner Galerie Laura Mars Grp. ihren Zyklus zum Schlachtfeld von Verdun, &#8222;Souvenir de Verdun&#8220;. Dreier schuf mit ihren Lochkameras\u00a0ber\u00fchrende Fotos; die Zernarbtheit der Landschaft wird hierbei ebenso eingefangen wie die R\u00fcckeroberung durch die Natur. 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