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verfemt, verfolgt – vergessen? Kunst und Künstler im Nationalsozialismus (Berlin)

Freitag, 8. März 2013, 1238h Einen Kommentar schreiben Kommentare

Vom 16. März bis 28. Juli 2013 zeigt das Stadtmuseum Berlin im Emphraim-Palais die Ausstellung „verfemt, verfolgt – vergessen? Kunst und Künstler im Nationalsozialismus“ mit zahlreichen Werken aus der beeindruckenden Sammlung Gerhard Schneider. Das Stadtmuseum Berlin erinnert somit im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“ zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten vor 100 Jahren an die systematische Diffamierung moderner Kunst, bis hin zur Vernichtung. Die Ausstellung ist allen Künstlerinnen und Künstlern gewidmet, die verfemt, verfolgt oder gar ermordet wurden und deren Werke und Leben fast vergessen worden wären. Umso notwendiger ist es, an ihr Leid, aber nicht zuletzt an ihr Leben und ihre Arbeiten zu erinnern und sie dem Vergessen zu entreißen.

Die Lebensaufgabe des Sammlers Dr. Gerhard Schneider ist es, solche Werke und somit ihre Erschaffer zu bewahren, so in seiner „Bürgerstiftung für verfemte Künste mit der Sammlung Gerhard Schneider, Solingen“. Häufig wurden die Arbeiten bewußt ausgegrenzt, zum Beispiel als „entartete Kunst“. In der Sammlung – mit über 400 vertretenen Künstlerinnen und Künstlern – finden sich zudem viele Arbeiten, die sich mit politischen Zusammenhängen kritisch auseinandersetzen, während die Öffentlichkeit davon nur wenig wissen wollte: man denke hierbei an die Werke zum Ersten Weltkrieg, die 1914-1918 geschaffen wurden, während die heutige Erinnerung an Kunst zu jenem Krieg eher von Künstlern wie Otto Dix oder George Grosz dominiert wird, deren Werke hierzu größtenteils aus der Nachkriegszeit stammten.

Für die Ausstellung wurden primär Arbeiten mit Berlinbezug gewählt, wie zum Beispiel von Georg Netzband (1900-1984). Jener gebürtige Berliner durchlebte noch 18jährig die letzten Monate des Ersten Weltkrieges, wonach er an die Staatliche Kunstschule Berlins ging. Für die Nazis war Netzband „politisch unzuverlässig“: mehrfach wurde er zur Gestapo geladen und 1936 mit Ausreise- und Ausstellungsverboten belegt. Netzband malte heimlich weiter, unter anderem das geradezu visionäre Bild „Der Sieger“ aus dem Jahr 1939: der Tod steht in heroischer Pose auf einem Leichenberg, eine deutsche Generalsuniform auf seinen Knochen. Auch in den Zweiten Weltkrieg wurde Netzband eingezogen; an der Ostfront wurde er verwundet und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947/48 zurückkehrte. Der Maler verstand sich immer als Chronist, nicht zuletzt auch seiner Heimatstadt. So gilt es, ihn und andere Künstlerinnen und Künstler in dieser Ausstellung wiederzuentdecken.

„verfemt, verfolgt – vergessen? Kunst und Künstler im Nationalsozialismus“Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider
16. März bis 28. Juli 2013, Di/Do-So 1000-1800h, Mi 1200-2000h
Eintritt 5,- € (ermäßigt 3,- €; jeden ersten Mittwoch im Monat Eintritt frei)

Die Eröffnung wird in Form des Konzerts „Verehrt – verfemt – versunken“ am 14. März 2013 um 2000h in der Nikolaikirche erfolgen.

Stadtmuseum Berlin
Emphraim-Palais
Poststr. 16
10178 Berlin

  1. 21. März 2013, 19:13 | #1

    Hallo Herr Bayer, nachdem wir uns gestern im Babylon trafen, lese ich heute mit Interesse Ihren BLOG. Und stelle eine kleine Gemeinsamkeit fest. Auch ich habe die Ausstellung im Ephraim Palais kommentiert:
    http://nikolaiviertel-aktuell.blogspot.de/2013/03/ausstellung-im-ephraim-palais.html

    Beste Grüße
    Fritz

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