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Konzert: Verehrt – verfemt – versunken (Nikolaikirche Berlin)

Samstag, 9. März 2013, 1649h Einen Kommentar schreiben Kommentare

Zur Eröffnung der Ausstellung „verfemt, verfolgt – vergessen? Kunst und Künstler im Nationalsozialismus“ spielt am 14. März 2013 die Kammersymphonie Berlin unter der Leitung von Jürgen Bruns in der Nikolaikirche Berlins das Konzert Verehrt – verfemt – versunken. Werke von Franz Schreker, Gideon Klein, Erich Zeisl, Egon Wellesz und Pavel Haas werden aufgeführt. Sie gehörten einst zu den bekanntesten Komponisten ihrer Zeit, gerieten jedoch in Folge von Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten in Vergessenheit. Das Konzert und die Ausstellung finden im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt – Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus“ statt.

Der österreichische Komponist Franz Schreker (1878-1934) war einer der meistgespielten deutschen Komponisten seiner Zeit. Schon in den 1920er Jahren wurde Schreker von den Nationalsozialisten angegriffen. Kurz nach seiner Zwangspensionierung starb er an einem Herzinfarkt.

Schon früh fiel die ungewöhnliche Begabung des tschechischen Komponisten und Pianisten Gideon Klein (1919-1945) auf: mit 14 Jahren gab er sein erstes Konzert, vier Jahre nach seinen ersten Kompositionen. Mit der Besetzung der Tschechoslowakei durch Deutschland wurden ihm weitere Auftritte verboten. 1941 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er weiter komponierte. Wenige Tage nach Beendigung seines Streichtrios wurde er im Oktober 1944 ins KZ Auschwitz verlegt, wo er wenige Tage vor der Befreiung unter ungeklärten Umständen starb.

Der österreichische Komponist Erich Zeisl (1905-1959) emigierte nach dem „Anschluß“ Österreichs 1938 zuerst nach Paris, später in die USA. Nicht nur seine zahlreichen Lieder sind geprägt von einer schwermütigen Grundnote.

Der ebenso in Österreich geborene Komponist und Musikwissenschaftler Egon Wellesz (1885-1974) musste 1938 gleichsam emigrieren; er wählte den Weg über Amsterdam nach Großbritannien. 1940 wurde er wie andere deutsch- und österreichischstämmige Emigranten als „enemy alien“ (feindlicher Ausländer) einige Monate auf der Isle of Man interniert; 1946 erhielt er schließlich die britische Staatsbürgerschaft.

Die erfolgreiche Oper Šarlatán (Der Scharlatan) des tschechischen Komponisten Pavel Haas (1899-1944) wurde gleich nach der Besetzung der Tscheschoslowakei durch Deutschland vom Spielplan abgesetzt und seine Musik verboten. 1940 ließ er sich von seiner Frau scheiden, um ihr Leben und das der gemeinsamen Tochter vor weiterer Verfolgung zu schützen. 1941 ins KZ Theresienstadt deportiert, konnte er von Gideon Klein wieder zum musikalischen Schaffen angeregt werden. Um das KZ als „Vorzeigeghetto“ zu präsentieren, durfte Haas seine „Studie für Streichorchester“ am 23. Juni 1944 vor Vertretern des Internationalen Kommitees des Roten Kreuzes (IKRK) uraufführen lassen. Nach dieser Propagandaaktion wurde sämtliches kulturelles Leben im KZ verboten und viele Künstler, darunter auch Haas, wurden am 16. Oktober 1944 ins KZ Auschwitz deportiert, wo er am Folgetag ermordet wurde. Nur drei seiner mindestens acht Kompositionen jener Zeit konnten erhalten werden.

 

Verehrt – verfemt – versunkenKonzert der Kammersymphonie Berlin
14. März 2013, 2000h (Einlass ab 1930h)
Eintritt: 18,- € (ermäßigt: 10,- €)

Franz Schreker: Intermezzo
Gideon Klein: Partita für Streicher
Erich Zeisl: Variationen über ein slowakisches Thema
Egib Wellesz: Musik für Streichorchester in einem Satz
Pavel Haas: Studie für Streichorchester

Nikolaikirche
Nikolaikirchplatz
10178 Berlin

 

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