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Ausstellung: Stephan Schenk – Kreuzweg (Bern)

Montag, 8. Januar 2018, 1511h Einen Kommentar schreiben Kommentare

Der Fotograf Stephan Schenk zeigt seinen höchst beeindruckenden Zyklus „Kreuzweg“ zu den globalen Schlachten des Ersten Weltkriegs vom 13. Januar bis 11. Februar 2018 in der gleichnamigen Ausstellung im Kunstraum Oktogon in Bern.

Der gesamte Zyklus besteht aus 14 monumentalen gewobenen Tapisserien, basierend auf Großformat-Fotografien von 14 Schlachtenlandschaften des Ersten Weltkriegs. Schenk zeigt jedoch keine klassischen Landschaftsaufnahmen, sondern ging den Weg in die Reduktion und die Abstraktion: Er fotografierte zwei mal drei Meter des jeweiligen Bodens – der individuelle Kampfraum eines Soldaten, und gleichsam der benötigte Raum, um zur Ruhe gebettet zu werden.

Seit 1995 arbeitete Schenk an dieser 2014 fertiggestellten Serie. Diese Zeit sieht man dem Werk positiv an, investiert in eine gründliche Recherche und in eine im künstlerischen Kontext nur selten erlebte tiefe Auseinandersetzung mit dem „Großen Krieg“. Der Kreuzweg ist im christlichen Kontext zu sehen, aber auch als Kreuzung – die Welt musste nicht in einen millionenfaches Leid erzeugenden Krieg hinabgleiten.

Die 14 Kreuzwegstationen sind bei Schenk unterschiedliche Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Hier finden sich nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ wie Verdun, Flandern und die Somme (oder für die australisch-neuseeländische Perspektive Gallipoli). Vielmehr verdeutlicht Schenk den globalen Charakter des Krieges, denn gekämpft, gelitten und gestorben wurde nicht nur an der Westfront, sondern auch im chinesischen Tsingtao, in Tanga im damaligen Deutsch-Ostafrika (heute Tansania), in Kobarid/Caporetto/Karfreit in den Alpen, und nicht zuletzt an der Ostfront, beispielsweise in Przemyśl oder Gorlice-Tarnów.

Die vielschichtige Arbeit begeistert auch durch ihre Umsetzung: Nähert man sich den monumentalen Tapisserien zu sehr, lösen sich die Strukturen auf. Die Details verschwimmen, vergehen, verschwinden in ein strukturiertes Mittelgrau. Was wissen wir wirklich von den damaligen Ereignissen? Was können wir uns vorstellen? Schenks „Kreuzweg“ ist sicherlich eine herausragende Arbeit über den Ersten Weltkrieg und ebenso eine zeitlose Auseinandersetzung mit Krieg und seinen Folgen.

 

Stephan Schenk – Kreuzweg
Tapisserien und Fotografien
13. JAN – 11. FEB 2018
Vernissage/Galeriewochenende: 13./14. JAN 2018 1100-1700h
Öffnungszeiten: Fr 1700-1900h/Sa 1100-1500h

Kunstraum Oktogon
Ferdinand und Simon Oberholzer
Aarstrasse 96
3005 Bern
Schweiz

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